Still- und Brusthütchen werden als Hilfe beim Stillen angewendet, wenn die Brustwarzen der Mutter entzündet oder in anderer Weise nicht optimal geeignet sind, um den Säugling problemlos anzulegen.
Man verwendet diese Hilfsmittel zum Schutz von entzündeten, wunden und empfindlichen Brustwarzen, bei Hohl- oder Flachbrustwarzen oder z.B. nach einer Brustwarzenkorrektur. Viele Stillberater/-innen und Hebammen befürworten den Einsatz dieser einfachen Hilfsmittel, um jungen Müttern bei Schwierigkeiten, ihr Baby anzulegen, das Stillen zu erleichtern. Werden die Hütchen richtig angewendet und vom Säugling gut angenommen, steht einem ungehinderten Stillen und dem direkten Körperkontakt zwischen Mutter und dem Baby im Grunde nichts mehr im Wege.
In der Apotheke gibt es eine breite Auswahl an verschiedenen Still- und Brusthütchen in unterschiedlichen Größen. Bei der Wahl der richtigen Größe können Stillberater/-innen, Hebammen und auch der Apotheker behilflich sein. Grundsätzlich sollte das Hütchen immer so klein wie möglich und nur so groß wie nötig sein. Erster Anhaltspunkt ist der Durchmesser der Brustwarze. Die Millimeter-Angaben auf der Verpackung der Stillhütchen beziehen sich immer auf den inneren Durchmesser des Schafts an der Basis. Die Form der meisten Stillhütchen ist konisch; manche Hersteller bieten auch runde, kirschförmige Modelle an, die vor allem bei zu früh geborenen und besonders saugschwachen Babys ein Abrutschen verhindern sollen.
Anlegeprobleme beim Stillen sind weit verbreitet. Oft liegt der Grund in den Abläufen des Geburtsvorgangs, wie sie bei der modernen Geburtshilfe üblich sind. So können z.B. Infusionen Ödeme im Bereich der Brustwarzen verursachen und schmerzstillende Medikamente, die während, vor oder nach der Geburt gegeben werden, die normalen Reflexe des Neugeborenen oder die mütterliche Aktivität einschränken. Bei Neugeborenen liegen manchmal am Anfang auch noch neurologische Beeinträchtigungen oder anatomisch bedingte Saugschwächen vor, sodass das Kind es anfangs nicht oder nur schwer schafft, an der Brustwarze zu saugen und daraus zu trinken. Auch anatomische Besonderheiten der mütterlichen Brust wie z.B. zu flache oder hohle Brustwarzen oder auch Brustdrüsenschwellungen und -entzündungen erschweren nicht selten den Stillvorgang.
Weitere Tipps wenn das Stillen nicht klappt finden Sie im apomio Gesundheitsblog.
Was Stillhütchen bewirken können
In all diesen Fällen können die Stillhütchen das Stillen vereinfachen und damit ermöglichen, dass das Baby die Muttermilch im direkten Körperkontakt mit seiner Mutter erhält. Gleichzeitig können die Hütchen häufig auch ein aufwändiges Abpumpen und das Füttern mit der Flasche überflüssig machen. Die Hütchen bestehen aus weichem, elastischem Material (meist aus Silikon), das sich an die Brustwarze anschmiegt, sich damit jeder Brustwarzenform gut anpassen und die Brustwarze sicher umschließen kann. Für zusätzlichen Halt sorgen bei den meisten Modellen weiche Noppen auf der Rückseite.
Weil die Stillhütchen härter, breiter und länger als die Brustwarze sind, erzeugen sie beim Baby das Gefühl, eine ausgeprägte Brustwarze im Mund zu haben, und lösen damit auch einen kräftigen Saugreflex aus. So wird auch Neugeborenen, die sich beim Saugen aus verschiedenen Gründen schwer tun (etwa zu früh geborenen oder kranken Babys, die es häufig nicht schaffen, ein ausreichend starkes Vakuum beim Saugen aufzubauen), das Stillen deutlich erleichtert. Auch können Stillhütchen bei der Mutter Schmerzen beim Saugvorgang reduzieren, weil die Hütchen die Brustwarze schützend bedecken und diese dadurch weniger beansprucht wird.
Ein weiterer Vorteil der Stillhütchen liegt darin, dass Babys, die zunächst Flaschennahrung erhalten haben, die Brust mit Stillhütchen oft besser annehmen als ohne, da die Hütchen eine ähnliche Form wie die Sauger beim Fläschchen haben und die Milch dadurch leichter verfügbar ist. Ein guter Trick ist es, das Hütchen vor dem Anlegen mit ein wenig Milch zu füllen, sodass das Baby bereits bei den ersten Saugbewegungen „belohnt“ wird.
Hinweise zur Anwendung von Still- und Brusthütchen
Viele Stillexperten empfehlen, die Hütchen nicht „inflationär“, also zu schnell und zu lange, anzuwenden. Vor dem Einsatz sollte versucht werden, Stillprobleme – soweit möglich – auf natürliche Weise zu beheben. So besserten sich erfahrungsgemäß die ersten Anlegeschwierigkeiten oft bereits nach wenigen Tagen von selbst. Grundsätzlich empfehlen alle Experten, Stillhütchen immer nur über einen so kurzen Zeitraum wie möglich einzusetzen.
Wichtig ist auch, auf jeden Fall die richtige Größe der Stillhütchen zu wählen. Passen die Hütchen nicht genau auf die Brustwarze bzw. zur Mundgröße des Kindes und/oder werden sie nicht korrekt angebracht, kann es zu Haut- und Gewebeverletzungen, Quetschungen, Schmerzen und beeinträchtigtem Milchfluss kommen.
Vom Brusthütchen zur unbedeckten Brustwarze zu wechseln, erfordert bei manchen Babys viel Geduld, andere Säuglinge wiederum sind schnell auch ohne Stillhütchen zufrieden. Eine entsprechende Studie mit mehr als 80 stillenden Müttern hat ergeben, dass die Hälfte der Babys innerhalb von fünf Wochen entwöhnt werden konnten. Die besten Strategien zum Entwöhnen erfahren Mütter von Stillberater/-innen und Hebammen.
Lesen Sie jetzt im apomio Gesundheitsblog: "Stillen oder Fläschchennahrung- Babys gedeihen mit beidem gut!"