Sehr geehrte Fragestellerin, sehr geehrter Fragesteller,
Statine können den Coenzym-Q10-Spiegel tatsächlich senken. Der Grund liegt im Wirkmechanismus: Statine hemmen in der Leber ein Enzym, das an der körpereigenen Cholesterinbildung beteiligt ist. Über denselben Stoffwechselweg entsteht auch Coenzym Q10. Deshalb findet m...
Sehr geehrte Fragestellerin, sehr geehrter Fragesteller,
Statine können den Coenzym-Q10-Spiegel tatsächlich senken. Der Grund liegt im Wirkmechanismus: Statine hemmen in der Leber ein Enzym, das an der körpereigenen Cholesterinbildung beteiligt ist. Über denselben Stoffwechselweg entsteht auch Coenzym Q10. Deshalb findet man unter einer Statintherapie in Studien oft niedrigere Q10-Werte im Blut.
Wichtig ist aber die Einordnung: Ein abgesenkter Q10-Spiegel bedeutet nicht automatisch einen behandlungsbedürftigen Q10-Mangel. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob die gemessene Abnahme klinisch relevant ist und ob sie tatsächlich Beschwerden verursacht. Vor allem der Zusammenhang zwischen niedrigem Q10 und statinbedingten Muskelschmerzen gilt bislang nicht als sicher bewiesen.
Deshalb gibt es derzeit keine allgemeine Empfehlung, bei einer Statintherapie routinemäßig Coenzym Q10 zusätzlich einzunehmen. Auch die bisherige Studienlage zeigt kein klares, verlässlich belegtes Nutzenbild. Einzelne Studien kamen zwar zu positiven Ergebnissen, insgesamt reicht die wissenschaftliche Evidenz aber nicht aus, um Q10 grundsätzlich zu empfehlen.
Für die Praxis heißt das: Wer ein Statin gut verträgt, benötigt in der Regel kein zusätzliches Q10. Treten unter der Behandlung Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe, Schwäche oder Druckempfindlichkeit der Muskulatur auf, sollte das ärztlich abgeklärt werden.
Gerade nach einem Herzinfarkt ist der wichtigste Punkt, das Statin nicht eigenmächtig abzusetzen. Statine senken das Risiko für weitere Herz-Kreislauf-Ereignisse deutlich und gehören nach einem Infarkt zu den zentralen Schutzmedikamenten.
Herzliche Grüße und alles Gute
Linda Künzig, Apothekerin