Wenn trockene Augen zur Krankheit werden!
Das âtrockene Augeâ zĂ€hlt zu den hĂ€ufigsten Augenerkrankungen und stellt ein komplexes Krankheitsbild dar. HĂ€ufig klagen Betroffene unter anderem ĂŒber Brennen, Rötungen und FremdkörpergefĂŒhl. Dabei können die Ursachen fĂŒr trockene Augen sehr unterschiedlich sein. Wie können trockene Augen diagnostiziert werden? Welche BehandlungsmaĂnahmen gibt es? Und warum sollten trockene Augen nicht verharmlost werden? Mehr zu dem Thema im folgenden Beitrag.
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Was sind trockene Auge?
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Das Trockene Auge, im medizinischen Sprachgebrauch Keratoconjunctivitis sicca genannt, stellt eine multifaktorielle Erkrankung von TrÀnenfilm und AugenoberflÀche dar und kann sowohl als eigenstÀndiges Krankheitsbild in Erscheinung treten als auch die Folge von OberflÀchenerkrankungen des Auges sein.  (1)
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Die Trockenheit der Augen entsteht durch eine Störung des TrÀnenfilms, sodass die Augen nicht richtig befeuchtet werden können, hervorgerufen durch eine Verminderung der TrÀnenproduktion oder durch eine verÀnderte Zusammensetzung des TrÀnenfilms. (2)
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Die Trockenheit der Augen ist ein weltweit weit verbreitetes Leiden und betrifft ungefÀhr 15 Prozent der Gesamtbevölkerung und tritt in einem Lebensalter zwischen 40 und 50 Jahren auf, wobei eine zunehmende PrÀvalenz mit steigendem Alter beobachtet werden kann und Frauen hÀufiger als MÀnner betroffen sind. (3)
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Welche Beschwerden treten bei trockenen Augen auf?
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Hinweise auf eine gestörte Benetzung und somit das subjektive Empfinden trockener Augen können sich als Ausdruck folgender Beschwerden Ă€uĂern: (4)
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- Brennen
- Rötung
- FremdkörpergefĂŒhl
- DruckgefĂŒhl der Augen
- Lidrandrötung und Lidrandschwellung
- Lichtempfindlichkeit
- Empfindlichkeit bei Luftzug
- Empfindlichkeit im Flugzeug
- Empfindlichkeit in rauchiger Luft
- mĂŒde Augen
- BedĂŒrfnis, die Augen am liebsten geschlossen zu halten
- BedĂŒrfnis, die Augen stĂ€ndig auswischen zu mĂŒssen
- reversible Sehstörungen / intermittierendes Verschwommensehen
- Schleimabsonderung / verklebte Lider durch klebriges Sekret insbesondere morgens
- UnvertrÀglichkeit von Kontaktlinsen
- UnvertrÀglichkeit von Kosmetikprodukten
- Probleme bei der Arbeit am Bildschirm
- paradoxerweise AugentrÀnen
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Trockene Augen sollten behandelt und nicht verharmlost werden. Denn neben den anhaltenden und zum Teil auch sehr belastenden Beschwerden kann eine Nichtbehandlung zu einer VerstĂ€rkung der vermehrten Trockenheit der Augen fĂŒhren und folglich auch dauerhafte SchĂ€den am Auge, wie beispielsweise eine HornhautschĂ€digung bis hin zum Visusverlust (Sehverlust) (5) bedeuten.  Die TrĂ€nendrĂŒse sondert die TrĂ€nenflĂŒssigkeit zur Befeuchtung des Auges ab und trĂ€gt zur VerhĂŒtung der Austrocknung sowie zur Ausschwemmung störender Stoffe und zum Schutz gegen Infektionen bei. DiesbezĂŒglich ist ein trĂ€nendes Auge weitaus ungefĂ€hrdeter als ein trockenes Auge.
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Welche Faktoren und Krankheiten können trockene Augen verursachen?
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Die Ursachen fĂŒr trockene Augen können sehr unterschiedlich sein.
Mögliche Einflussfaktoren/Risikofaktoren, die Benetzungsstörungen auftreten lassen, sind unter anderem:
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- Umweltfaktoren, die zu einer vermehrten Verdunstung des TrĂ€nenfilms fĂŒhren: Rauch, Trockenheit, Ozon, Klimaanlagen, Bildschirmarbeit (eine vermehrte Verdunstung des TrĂ€nenfilms kann auch durch eine verminderte Frequenz des Lidschlags, zum Beispiel durch Lesen oder Bildschirmarbeit, zustande kommen)
- Erkrankungen des Auges: Hornhautoperationen, MeibomDrĂŒsen-Dysfunktion (hĂ€ufigste Ursache)
- Hormonstörungen, die zu einer gestörten Regulation der TrĂ€nenfilmproduktion fĂŒhren: SchilddrĂŒsenerkrankungen, Ăstrogentherapie, Androgenmangel
- Immunologische und Autoimmunerkrankungen: Rheumatologische Erkrankungen, SjörgenSyndrom
- Dermatologische Erkrankungen
- Diabetes mellitus
- Medikamente: âMedikamente, die ĂŒber lĂ€ngere Zeit eingenommen werden, greifen in den subtilen Vorgang der TrĂ€nenproduktion ein, wie etwa Psychopharmaka, Schlafmittel, BetaBlocker, Hormone oder Medikamente gegen Allergien  (6)
- VitaminA-Mangel (Xerophtalmie: In Deutschland selten, aber in EntwicklungslÀndern noch vorkommend)
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Bei der Meibom-DrĂŒsen-Dysfunktion als hĂ€ufigste Ursache fĂŒr eine Reduktion der Lipidphase im TrĂ€nenfilm, liegt eine eingeschrĂ€nkte oder fehlende Funktion der Meibom-DrĂŒsen vor. Die Meibom-DrĂŒsen, die am Rand der Augenlider frei mĂŒnden und fĂŒr die Aufrechterhaltung des TrĂ€nenfilms verantwortlich sind, produzieren als TalgdrĂŒsen einen Lipidfilms, der die vorschnelle Verdunstung und Austrocknung verhindert. Bei einer Funktionsstörung, in den meisten FĂ€llen eine Hyposekretion, eine verminderte Sekretion, kommt es zu sekundĂ€ren Störungen des TrĂ€nenfilms, FremdkörpergefĂŒhl und EntzĂŒndung assoziiert mit einer Blepharitis (LidrandentzĂŒndung). (7)
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Wie sieht die Untersuchung bei trockenen Augen aus?
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Wegweisend fĂŒr die Diagnosestellung ist zunĂ€chst die Schilderung der Beschwerden des Patienten in einem ausfĂŒhrlichen AnamnesegesprĂ€ch.
Im Anschluss daran erfolgt die Inspektion der Haut von Gesicht und den Augenlidern, die Inspektion der tarsalen Bindehaut durch UmstĂŒlpung des Oberlides (Fachbegriff: Ektroponieren) sowie die Beurteilung der AugenoberflĂ€che, Lidkante, AusfĂŒhrungsgĂ€nge und Sekret der Meibom-DrĂŒsen sowie Horn- und Bindehaut mittels Schaltlampenuntersuchung. (8)
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Bei der Schaltlampenuntersuchung, die zur Routineuntersuchung in der Augenheilkunde zĂ€hlt, können mit dem sogenannten Schaltlampen-Mikroskop Bereiche vergröĂert betrachtet werden.
Mit dem sogenannten Schirmer-I-Test wird die FlĂŒssigkeitsmenge beurteilt: Ein Lackmusstreifen wird in den Bindehautsack eingehĂ€ngt und der wĂ€ssrige Anteil des TrĂ€nenfilms bewertet. Ein nach fĂŒnf Minuten weniger als fĂŒnf Millimeter benetzter Streifen beweist die Trockenheit der Augen. (9)
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Durch eine Fluoreszein-AnfĂ€rbung können punktförmige EpithellĂ€sionen der Hornhaut, die ebenfalls zu einem FremdkörpergefĂŒhl und Sehstörungen fĂŒhren, angefĂ€rbt und mittels Schaltlampenuntersuchung detektiert werden. (10)
Mit einem SpezialgerĂ€t, einem Tearscope, kann die Beurteilung des Ălanteils des TrĂ€nenfilms erfolgen. (11)
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Wie sieht die Therapie nach der Diagnose aus?
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Die Diagnosestellung erfolgt immer durch den behandelnden Augenarzt und die Wahl der Therapie richtet sich nach dem Auslöser.
Allgemeine MaĂnahmen, die zur Linderung der Beschwerden fĂŒhren können, sind unter anderem:
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- Vermeidung von auslösenden Faktoren/Umweltfaktoren (Beispiel: auf Raumklima mit ausreichend Luftfeuchtigkeit achten, GeblÀse in PKWs meiden, Rauch vermeiden, bewusstes Blinzeln beim Lesen und bei der Bildschirmarbeit etc.)
- Augen regelmĂ€Ăig frischer Luft aussetzen
- WĂ€rmeapplikation und Massage
- physikalischer Schutz vor Austrocknung (Brille mit Seitenschutz)
- Kontaktlinsen regelmĂ€Ăig mit unkonservierten TrĂ€nenersatzprodukten nachbenetzen
- reizarme Kosmetikprodukte wÀhlen
- Lidrandpflege/reinigung (Abschminken)
- ausreichend FlĂŒssigkeit trinken
- ausreichend viel Schlaf
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Als medikamentöser Therapieansatz ist die Gabe von konservierungsfreien TrÀnenersatzmittel das Mittel der 1. Wahl.
Verschiedene PrÀparate von TrÀnenersatzmittel sind erhÀltlich, die in sechs verschiedene Stoffklassen unterteilt werden: (12)
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- Polyvinylalkohole (Indikation: bei leichter Trockenheit)
- Polyvidone (Indikation: bei leichter Trockenheit)
- CelluloseDerivate (Indikation: bei leichter Trockenheit)
- Carbomere (Indikation: mittelschwere Trockenheit)
- HyaluronsÀure (Indikation: mittelschwere Trockenheit)
- Dexpanthenol Â
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DarĂŒber hinaus gehende TherapieansĂ€tze sind bei massiven Beschwerden Glucocorticoid-Augentropfen, bei Superinfektionen antientzĂŒndliche Antibiotika-Augentropfen und bei bestehender Persistenz trotz TrĂ€nenersatzmittel Cyclosporin-A haltige Augentropfen.
Dies sind nur einige Möglichkeiten einer Therapie bei Trockenheit der Augen. Eine Vielzahl weiterer Informationen zur ErgĂ€nzungsmaĂnahmen können beim Augenarzt eingeholt werden. (13)
FĂŒr den Therapieerfolg ist Geduld gefragt, denn nicht selten tritt eine Wirksamkeit erst nach Wochen oder Monaten ein. Aus diesem Grund sind regelmĂ€Ăige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt zu empfehlen, damit langfristige und ernsthafte VerĂ€nderungen und SchĂ€den der Augen nicht unbeachtet bleiben.
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Quellen:
(1) vgl. Nachschlagewerk fĂŒr Ărzte und Ărztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de
(3) vgl. Nachschlagewerk fĂŒr Ărzte und Ărztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de
(5)Â Keratoconjunctivitis sicca: https://de.wikipedia.org/wiki/Keratoconjunctivitis_sicca, vgl. Nachschlagewerk fĂŒr Ărzte und Ărztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de
(7)Â vgl. Meibom-DrĂŒse: https://de.wikipedia.org/wiki/Meibom-DrĂŒse, vgl. Nachschlagewerk fĂŒr Ărzte und Ărztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de
(8)Â Â vgl. Nachschlagewerk fĂŒr Ărzte und Ărztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de
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Ăber die Autor:innen
J. Ehresmann
Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijĂ€hrigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjĂ€hrige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurĂŒck. Neben ihrer TĂ€tigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.