Generation Instagram: Chancen und Risiken neuer Schönheitsideale für Jugendliche
Makellose Haut, perfekte Proportionen, voluminöse Lippen: Was wir heute in sozialen Netzwerken sehen, formt unser Bild von Schönheit. Besonders junge Menschen zwischen 11 und 17 Jahren wachsen mit diesen digitalen Idealbildern auf. Doch welchen Einfluss haben Instagram, TikTok und Co. tatsächlich auf das Selbstbild der Generation Alpha?
Inhaltsverzeichnis
Wenn das Smartphone zum Spiegel wird
Filter, KI und die verzerrte Realität
Beauty-Influencer als neue Vorbilder
Gesundheitliche Folgen: von Unzufriedenheit bis Essstörung
Nicht nur Mädchen: auch Jungs unter Druck
Die positiven Seiten: Gemeinschaft und Aufklärung
Was Jugendliche selbst als hilfreich empfinden
Die Rolle von Eltern und Schulen
Zwischen Selbstbestimmung und Schönheitswahn
Wenn das Smartphone zum Spiegel wird
Soziale Medien funktionieren als digitale Bühnen, auf denen Jugendliche ihre Identität formen und präsentieren. Instagram hat dabei eine besondere Bedeutung: Hier verbringen Heranwachsende mehrere Stunden täglich, konsumieren tausende Bilder und vergleichen sich permanent mit anderen.
Jugendliche befinden sich in einer Phase, in der ihre Identität noch nicht gefestigt ist. In dieser vulnerablen Zeit treffen sie auf eine Flut perfektionierter Bilder, die suggerieren, wie man auszusehen hat.
Filter, KI und die verzerrte Realität
Die meisten Bilder auf Social Media sind bearbeitet. Filter glätten Hautunreinheiten, vergrößern Augen, formen Körperproportionen um. Mittlerweile kommen KI-generierte Fotos hinzu, die Menschen zeigen, die nicht existieren.
Wenn fast alle Bilder makellos wirken, entsteht ein neuer Standard. Eine aktuelle Studie zeigt, wie Social Media das Schönheitsideal nachhaltig verändert, und das nicht immer zum Positiven. 68 % der Befragten glauben, dass soziale Medien die Bereitschaft für Schönheitsbehandlungen erhöhen, und jeder Dritte berichtet dies sogar aus eigener Erfahrung. Tatsächlich ziehen bereits 34 % aufgrund des Einflusses von Social Media eine Schönheitsoperation oder Behandlung in Betracht.

Social Media erhöht die Bereitschaft für Schönheitsbehandlungen (© malakoff-klinik.de)
Beauty-Influencer als neue Vorbilder
Influencer aus Beauty und Fitness haben enormen Einfluss. Diese Dynamik birgt Chancen und Risiken. Authentische Influencer können für Selbstakzeptanz werben, während andere den Perfektionsdruck durch geschönte Darstellungen verstärken.
Gesundheitliche Folgen: von Unzufriedenheit bis Essstörung
Der psychische Druck kann gravierende Folgen haben. Viele sprechen auch von einem Zusammenhang zwischen intensiver Instagram-Nutzung und dem Körperbild. Das Risiko für Essstörungen steigt, besonders bei jungen Frauen.
Hashtags wie #WhatIEatInADay, unter denen Nutzer ihre Essgewohnheiten dokumentieren, fördern problematisches Essverhalten. Der ständige Fokus auf Kalorien schafft einen gefährlichen Nährboden. Auch Cybermobbing belastet: Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen hat bereits beobachtet, wie andere im Netz wegen ihres Aussehens beleidigt wurden. Besonders Mädchen sind von solchen abwertenden Kommentaren betroffen.
Nicht nur Mädchen: auch Jungs unter Druck
Der Schönheitsdruck betrifft mittlerweile auch junge Männer. Das Idealbild des durchtrainierten Körpers mit Sixpack wird auf Social Media omnipräsent. Die Folge: Jungen entwickeln zunehmend Unsicherheiten, investieren mehr Zeit in ihr Äußeres und orientieren sich an männlichen Beauty-Trends.
Die positiven Seiten: Gemeinschaft und Aufklärung
Soziale Medien bieten auch Chancen. Sie ermöglichen Austausch, schaffen Communitys und Raum für Identitätsentwicklung. Für Jugendliche, die sich in ihrem Umfeld unverstanden fühlen, können Online-Netzwerke wichtige Ankerpunkte sein.
Die Gegenbewegung wächst: Body-Positivity-Kampagnen, Hashtags wie #fürmehrrealität oder Influencer, die unbearbeitete Bilder posten, gewinnen an Reichweite. Sie zeigen Cellulite, Dehnungsstreifen und Pickel und machen deutlich, dass Schönheit vielfältig ist. Medizinische Experten nutzen Social Media für fundierte Aufklärung, allerdings folgen laut Studie bislang nur 31 % solchen Accounts.
Was Jugendliche selbst als hilfreich empfinden
Jugendliche kennen durchaus Strategien zum Selbstschutz. Viele finden es hilfreich, aktiv an der Selbstakzeptanz zu arbeiten und sich bewusst nicht unter Druck setzen zu lassen. Als wirksame Schutzmaßnahme bewährt sich ein bewusster Umgang: weniger Zeit auf den Plattformen verbringen, regelmäßige Pausen einlegen, Accounts entfolgen, die ein schlechtes Gefühl auslösen.
Ein „Reality Check" – also gezielt beobachten, wie Menschen tatsächlich aussehen – bringt ebenfalls Klarheit über die Diskrepanz zwischen digitaler Inszenierung und Wirklichkeit.
Die Rolle von Eltern und Schulen
Um Jugendliche bei einem kritischen Umgang mit Schönheitsidealen zu unterstützen, sind vor allem auch die Eltern gefordert. Allerdings fehlt vielen Eltern selbst die notwendige Medienkompetenz. Sie benötigen Unterstützung, Aufklärungsmaterial und Anleitungen, um ihre Kinder durch die digitale Welt zu begleiten.
Schulen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Im Unterricht sollten Körperbilder, Geschlechtsstereotype, Bildbearbeitung und Datenschutz thematisiert werden. Nur wer die Mechanismen versteht, kann kritisch damit umgehen.
Auch das offene Gespräch ist wichtig. Eltern sollten mit ihren Kindern über deren Social-Media-Konsum sprechen, Interesse zeigen für die Accounts, denen sie folgen, und gemeinsam reflektieren, welche Inhalte guttun und welche nicht. Ein wertschätzender Umgang mit dem eigenen Körper und der Verzicht auf negative Kommentare über das Aussehen anderer setzen ebenfalls wichtige Signale.
Zwischen Selbstbestimmung und Schönheitswahn
Die Debatte um Schönheitsideale und Social Media ist komplex. Es geht nicht darum, soziale Netzwerke zu verteufeln oder jungen Menschen die Nutzung zu verbieten. Es geht um einen bewussten, reflektierten Umgang. Jugendliche sollten lernen, digitale Inhalte kritisch zu hinterfragen, Bildbearbeitung zu erkennen und ihr Selbstwertgefühl nicht vom Aussehen abhängig zu machen.
Gleichzeitig braucht es mehr Verantwortung vonseiten der Plattformen und Influencer. Transparenz über Bildbearbeitung, Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte und strengere Regeln für Beauty-Werbung an Minderjährige könnten helfen, die negativen Auswirkungen einzudämmen.
Fest steht: Social Media wird unsere Gesellschaft weiter prägen. Wie stark der Einfluss auf das Schönheitsbild der nächsten Generation ausfällt, hängt davon ab, wie gut wir junge Menschen darin unterstützen, selbstbestimmt, kritisch und gesund mit diesen Medien umzugehen. Die Chancen digitaler Vernetzung zu nutzen und gleichzeitig die Risiken zu minimieren, das ist die Aufgabe, vor der Eltern, Schulen und die Gesellschaft heute stehen.
Über die Autor:innen
Dr. med. Martin Kürten
Dr. med. Martin Kürten ist ein versierter Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie und steht an der Spitze der chirurgischen Abteilung der Fort Malakoff Klinik in Mainz. Eine fundierte Ausbildung sowie viele Jahre operativer Erfahrung bilden das Fundament seines umfassenden Fachwissens. Seine besonderen Schwerpunkte liegen in der Brust-, Nasen- und Gesichtschirurgie.
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